Zwillingmotiv und Doppel im Psychodrama

Als J.L. Moreno das psychodramatische Doppel entwickelte, bedeutete dies für ihn mehr, als nur über dieses Doppel die verborgenen Gefühle des Protagonisten zu artikulieren. Seine Gedanken bezüglich des Doppels hatte viele Verbindungen zu den östlichen und ägyptischen Religionen, wie auch mit dem Christentum. Das Doppel war nicht nur ein menschliches Phänomen, sondern auch ein spirituelles.

Moreno war der Auffassung, daß wir alle im Kosmos unseren Doppelgänger haben, wobei sich der eine dazu entschließt, auf die Erde hinabzugehen und sich dabei seine Eltern aussucht. Durch das gesamte Leben zieht sich dann ein ständiger Dialog zwischen der Person und ihrem Doppel. Während des Lebens wird man sein Doppel in vielen anderen Menschen entdecken, durch das Projektionsphänomen oder das Telephänomen. Ebenso oft wie das Doppel den Menschen dazu bringt, sich ganz zu fühlen, wird es ihn auch zum Zweifeln bringen. Das schwedische Wort „Tvivel" (Zweifel) heißt auf deutsch „Zweifel", in zwei fallen, ein Zustand, der oft mit Unbehagen verbunden ist. Nach dem Lebenskampf und bei Eintreten des Todes, wird man wieder mit seinem Doppel vereint.

Das Doppel- und Zwillingsmotiv ist ein Urbild, das sich in der Mythologie und in verschiedenen Religionen findet, im Unterschied zu Morenos Doppel, das verstehend, einfühlend und vertiefend war, nimmt der Doppelgänger in der Mythologie oft andere Aspekte als das Ich an und unterwirft die Person einem eher reflexiven und ambivalenten Prozeß. Die Dualität der Seele, das Zwillingsmotiv, das Spiegelbild, die oft als negativ erlebt werden, sind Ausdruck dieses Denkens. Diese mythologischen Aspekte des Doppelgängers können entwickelt werden, um sie dann als Komplement zur traditionellen morenischen Doppeltechnik einzusetzen. D.h. das Einfühlen in die Problematik bleibt, jedoch nicht unbedingt beim Protagonisten. Dieser Einsatz des Doppels kann auch das Psychodrama vertiefen.

Das Verwenden des Doppels baut auf dem Zentralgedanken des Psychodramas und ist mehr als eine Technik. Das Seminar beabsichtigt, den Teilnehmern sowohl das Verständnis für den tieferen Sinn des Begriffes Doppel näher zu bringen als auch die Fähigkeit zu vermitteln, sich dieser Technik in der Regie zu bedienen.

 

© Leif Dag Blomkvist

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