Persona & Dramatis Personae
Die Persona ist in ihrem Charakter etwas nicht individuelles und hat nach jungianischer Psychologie ihre Wurzeln im Selbst. Da C. G. Jung den Begriff Persona dem griechischen Theater entnahm, also Dramatis Personae, d.h. Maske, ist es von Bedeutung, die Distinktion zu klären. In der griechischen Mythologie war die Maske göttlich, ein Transzendent, der das Individuum von seinen individuellen Grenzen befreite, es in Ekstase versetzte, eine Ekstase, in welcher es Kontakt mit den göttlichen Kräften erhielt. Mann kann sagen, daß das Ich in traditionellem Sinne in der Dramatis Personae aufgelöst wurde. Bei den alten Griechen und in sog. primitiven Kulturen verleiht die Maske in sich eine Kraft. Im Theater kann man während Repetitionen sehen, daß, sobald sich der Schauspieler z.B. die Maske des Bösen, des großen Königs oder Teufels aufsetzt, diese transformiert werden, sie begeben sich außerhalb ihrer eigenen individuellen Grenzen und werden Maske. Im griechischen Theater bedeckte die Maske den Schauspieler völlig.
C.G. Jung betrachtete seinen Begriff Persona als etwas negatives, etwas hinter was sich das Individuum versteckte. Er wies auf den destruktiven Einfluß der Persona auf das Ich hin. Die Griechen betrachteten die Dramatis Personae eher als ein Grenzland zwischen dem Individuellen und dem Göttlichen und sahen die Maske positiv. Es gibt eine Dynamik zwischen dem Ich und der Persona, und dies wird Ausgangspunkt für dieses Seminar sein. Da die Energie der Persona immer nach außen gerichtet ist, gehört die Arbeit mit der Persona in die Gruppenpsychotherapie.
Der Workshop wird sich mit der seelischen Aktivität, dem Ich und der Persona befassen. C. G. Jung wies selbst auf die Gefahr einer allzu schnellen Auflösung der Persona hin. Die könnte das Ich kollabieren lassen, oder zu einer Art von regressivem exzentrischen Verhalten, aufgrund schlechten sozialen Bewußtseins, führen. Was als ein regressiver Wiederaufbau der Persona" bezeichnet wird, beinhaltet, daß die Person, nachdem sie einige erschütternde Erlebnisse mit sich selbst erfahren hat, nachdem die Illusionen über sich selbst allzu brutal zerschmettert wurde, statt Scham und Schmerz zu fühlen, in gleicher Weise, wenn auch in geringerer Skala, fortfährt. Mit einer defensiven Persona, welche die Person von den Forderungen des Unterbewußten oder der Umgebung schützt, bleibt sie unkritisch.Eine andere Pathologie ist, wenn das Ich sich völlig mit der Persona identifiziert. Eine weitere Gruppe stellen Menschen, die keine Persona entwickelt haben.
Schwerpunkt dieses Seminars ist, das Verständnis für die Dynamik zwischen Persona, dem Ich, der Seele und den Kosmos zu vermitteln. Da Dramatis Personae so direkt mit dem Gott Dionysos verbunden ist, ist auch das Verständnis für die beiden dionysischen Energien, Enthusiasmus und Inflation, von Bedeutung. Enthusiasmus bedeutet erfüllt von dem Gott", wobei es sich um ein positives Erlebnis handelt, welches das Bild der Menschen von sich selbst verändert. Enthusiasmus in zu hohen Dosen führt zur Inflation, was gefüllt mit heißer Luft" bedeutet, mit anderen Worten, mit Luft aus der Hölle. Über ein inflatiertes Ich sagt man oft: Die Person ist aufgeblasen und muß auf die Erde zurückgeholt werden". Es ist von wesentlicher Bedeutung, den Gott Dionysos zu verstehen, einen sowohl kreativen als auch destruktiven Gott, dessen Funktion es jedoch ist, Stillstand aufzuheben.
© Leif Dag Blomkvist
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