Gruppenpsychotherapie

Der gruppenpsychotherapeutische Aspekt der Triade Psychodrama, Soziometrie & Gruppenpsychotherapie nimmt keine besondere Rücksicht darauf, wer Du bist, sondern eher darauf, was Du bist und was Du in Relation zur Gruppe in einer besonderen Situation machst. Wie bewußt ist sich eine Person bezüglich der eigenen soziometrischen Position in der Gruppe?

Gruppenpsychotherapie beinhaltet, „der Gruppe und der Seele zu dienen". Im Unterschied zu manchen anderen Gruppentherapeuten, verwarf Moreno den Gedanken, daß die Gruppe in sich ein Unterbewußtes besitzt, das die Handlungen von Menschen beeinflußt. Die Gruppe besteht aus soziometrischen Relationen zwischen den Personen, bei welchen immer die individuellen, instinktiven eigenen Bedürfnisse dem Bedürfnis der Gruppe begegnen. Spontaneität ist, diese Schnittpunkte zu meistern und sich dennoch in seinem Handeln frei zu fühlen. Tele ist in erster Linie die positive Energie, die Menschen miteinander verbindet, und auf diese Weise Gruppierungen formt. Tele arbeitet ohne Grenzen und gibt dennoch den anderen ihren Raum und läßt ihnen ihren privaten Bereich. Tele beinhaltet die Fähigkeit, die Konsequenzen des eigenen Handelns zu sehen, eine Fähigkeit aus sich herauszutreten und sich selbst durch die Augen Dritter betrachten zu können. Tele schließt eine Reflexion ein. Es sind diese Reflexionen, zu welchen der soziometrische Test die Mitglieder zwingt. Es entstehen viele Vorstellungen über eine Person. In dem Umfang, in welchem der Betreffende sich überhaupt nicht mit diesen Vorstellungen identifiziert, sprechen wir über Projektion, die ein Opponent zu Tele ist.

Projektionen besitzen keine Distanz, trennen noch nicht einmal die eigene subjektive Psyche von der anderen Person. Dieser Mangel an Distanz tendiert dazu paradox zu arbeiten, weshalb Menschen und Gruppen eher voneinander getrennt als aneinander gebunden werden. Von einem soziometrischen Ausgangspunkt ausgehend, kann keine Gruppe auf der Basis von Projektion zusammengehalten oder geformt werden. Es ist immer Tele, oder gegenseitige Übereinkommen, unabhängig von deren Natur, die das vereinende Moment darstellen. Daß eine Familie, die offensichtlich nicht funktioniert, also eine sog. dysfunktionale Familie, in welcher keiner den anderen zu verstehen scheint, weiterhin zusammenhält, ist ausgehend vom Projektionsphänomen nicht zu erklären. Auch in solch ernsten Fällen, bei welchen man bei der Betrachtung einer Familie von außen nicht verstehen kann, warum sich diese nicht auflöst, hat sich die Familie aufgrund eines übergreifenden Kriteriums, z.B. „Der Wert des Hauses ist noch nicht ausreichend gestiegen, wir machen einen Verlust, wenn wir es verkaufen", entschlossen, zusammenzubleiben, mit anderen Worten, die Familie ist sich einig.

Soziometrie und Gruppenpsychotherapie sind intim miteinander verbunden und geben Personen sowohl größere Erkenntnisse über sich selbst, über andere Menschen und über die Gruppe. Die großen Erfolge der Gruppentherapie im Zusammenhang mit der Soziometrie sind einerseits, daß die Person Zugehörigkeit erfährt, sie ist Teil einer Gruppe, andererseits aber auch, daß die Person ihre Einzigartigkeit /ihr Unikum erfährt, also was sie von anderen unterscheidet.

 

© Leif Dag Blomkvist

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