Einleitung für die Fortbildung des Schwedischen Moreno Institutes
Psychodrama wurde um 1920 von J.L. Moreno erdacht, in etwa zeitgleich wie die Psychoanalyse, allerdings aus einer anderen Perspektive. Strömungen wie der Dadaismus, der Marxismus, der Existentialismus kennzeichnen das geistige Klima, in dem Psychodrama von Moreno entwickelt wurde. Im Zentrum dieser Strömungen, die großen Einfluß auf die Entwicklung Europas haben sollten, standen Fragen nach dem Schöpferischen, der Gruppe, der Veränderung bestehender Verhältnisse. Der grundlegende Begriff in Morenos Gedanken über Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie ist der Begriff der Spontaneität, die er als "eine adäquate Reaktion auf eine neue Situation oder eine neue adäquate Reaktion auf eine alte Situation" definierte. Der größte kathartische (aus dem griechischen. reinigende, d.h. heilende) Effekt lag für ihn im Schaffen und nicht im Ergebnis. Daher Morenos etwas lustiger Kommentar zu Sigmund Freud: "Du analysierst Träume. Ich fange da an, wo Du aufhörst. Ich lehre die Menschen von Neuem zu träumen"..
Mit einer Terminologie, die dem griechischen Drama entnommen war, die aber von ihm selbst durch seine eigenen Ideen über den Kreislauf der Natur erweitert und ergänzt wurde, schaffte er die runde Bühne als Zeichen der Ganzheit. Er wollte damit einen Aspekt von Kosmos, etwas, das weder Anfang noch Ende hat schaffen. Wie im griechischen Drama nennt er die Hauptperson des Psychodrama den Protagonisten. Das Psychodrama wurde das Theater, wo ein Spiel produziert wird von einem Regisseur, einem Protagonisten, einer Gruppe. Wie auch in einem griechischen Drama wird hier die Konfrontation des Menschen mit dem Leben dramatisiert, das er so gut wie möglich zu meistern sucht. Ein Psychodrama schafft einen Moment, der nie wiederkehrt. Deshalb ist ein Psychodrama immer eine Neuschöpfung.
Auf der Psychodramabühne treffen verschiedene Realitäten von Raum und Zeit aufeinander, die Zeitperspektive des Ichs wird aufgehoben. Diese Dimension nannte Moreno in Anlehnung an Marx Surplus reality. Der Begriff sollte Assoziationen zum marxistischen Terminus des Mehrwerts wecken. Surplus Reality bezieht sich bei Moreno auf die Reichhaltigkeit der Erfahrungsebenen, die durch Psychodrama bei den Teilnehmerlnnen angesprochen werden. Gestaltung und Grundgedanken des Psychodramas weisen auf die enge Verflechtung der religiösen Erziehung mit der humanistischen Bildung hin, die Moreno in seiner Jugend zuteil wurde. So ließ er sich zum Beispiel von Aristoteles zu seinen eigen Ideen über Ästhetik und Katharsis, die heilenden Effekte des Theaters inspirieren. Die jüdische Herkunft Morenos erklärt sein tiefes Interesse an allen Gedanken über die Reinigung der menschlichen Seele. Obwohl naturwissenschaftlich ausgebildet als Arzt, stellte er sich dem Problem, wie im Menschen geistige und seelische Kräfte miteinander ringen, auf eine für die damalige Zeit völlig neuartige Weise. Er versuchte, ein Theater des Augenblicks zu erschaffen, das den Darstellern eine überragende, geradezu ekstatische Einstellung auf das jeweilige Subjet abverlangte.
Morenos Interesse an gesellschaftlicher Entwicklung und Kultur führte sehr bald dazu, daß er die Stellung des Individuums in seinem mitmenschlichen Umfeld, beziehungsweise die Beziehungen gesellschaftlicher Gruppierungen zueinander darstellen und weiter untersuchen wollte. Zu diesen Zweck entwickelte er die Methoden der Soziometrie, sowie das Soziodrama. Heutzutage wird Morenos Name am ehesten mit dem Psychodrama in Verbindung gebracht, und man möchte Psychodrama ausschließlich in Richtung einer psychotherapeutischen Behandlungsmethode definieren. Tatsächlich sind auch Geschichte, Entwicklung und Weiterentwicklung des Psychodramas von der gleichzeitigen Entwicklung der Psychoanalyse mit beeinflußt worden. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Psychiatrie durch die Ideen von Freud, Jung, Adler revolutioniert. Daß Kinder eine Sexualität besitzen, daß Träume einen Sinn haben, waren die ersten schockierenden Botschaften aus der medizinischen Praxis von Freud, und sie erschütterten seine Zeitgenossen zutiefst. Sie ließen das Sein des Menschen in einem neuen Licht erscheinen und sie stellten die Vorstellungen über Menschen mit psychischen Störungen in Zweifel, von denen man bis dato geglaubt hatte, daß sie entweder vom Teufel besessen, oder mit einem biologischen Mangel zur Welt gekommen seien.
Ideen der Psychoanalyse wurden denn auch zunächst als unwissenschaftlich und als Quacksalberei betrachtet. Es bedurfte einiger Zeit, bis sich die Psychoanalyse in die Humanwissenschaften integrieren konnte. In den fünfziger und sechziger Jahren entdeckte man, wie die Psychiatrie mit Menschen experimentierte. Lobotomie, Elektroschocktherapie, Insulinschocks und das schonungslose Ausprobieren von Medikamenten verlieh der Psychiatrie einen schlechten Ruf, sie entpuppte sich eher als Folterkammer und Verwahrungsort, denn als ein Ort der Heilung. Die Psychiatrie bedurfte definitiv eines humaneren Angesichts, wozu sie sich der Psychoanalyse bediente. Die Psychoanalyse konnte der Psychiatrie diese Maske der Humanität geben, und die Experimente und die Unterdrückung konnten dennoch ungestört fortgesetzt werden. Obwohl Freud und seine Kollegen betonten, daß die Psychoanalyse unmedizinisch sei, und unter keinen Umständen mit medizinischer Behandlung jeglicher Art vermischt werden dürfe, begann die Psychiatrie sich der Psychoanalyse in eklektizistischer Weise zu bedienen. "Man muß sich der klinischen Realität anpassen", ist ein Ausdruck, der in der Psychiatrie häufig zu hören ist. Gemeint ist, daß die Psychiatrie eine Welt für sich ist mit eigenen Regeln, die es erlauben, eklektizistisch zu sein und die Menschenrechte, ethische Prinzipien und jegliche Form von Ästhetik bei Seite zu lassen. Nervenheilanstalten wurden immer außerhalb der Städte gebaut, so daß gewöhnliche Menschen keine Einsicht in die Psychiatrie bekommen, im Gegensatz zu den normalen Krankenhäusern, die oft z.B. "Zentralkrankenhaus" heißen.
In den siebziger Jahren wurden die Nervenheilanstalten als totalitäre Institutionen gebrandmarkt. Die Psychiatrie wurde sozialkritisch als eine konservativ handelnde Institution gesehen, die ihre Insassen an die Gesellschaft, an deren Normen und Arbeitswelt anzupassen versucht. Damals fanden zusätzlich zur Psychoanalyse andere psychotherapeutische Verfahren, wie die Verhaltenstherapie oder erlebnisorientierte, in der humanistischen Psychologie begründete Vorgehensweisen ihren Eingang in die Psychiatrie. In diesem Zusammenhang wurde auch die Psychoanalyse immer mehr verwässert, was man an Ausdrücken wie "analytische Haltung" und "analytischer Therapie" sehen kann. Auch der orthodoxe Rahmen für eine "psychoanalytische Therapie" hat sich von ursprünglich fünf bis sechs Sitzungen in der Woche in mehreren Jahren, auf ein paar Besuche im Monat reduziert. Statt dessen, werden zeitgleich Medikamente verschrieben, was als Flexibilität und Anpassung an die Wirklichkeit angesehen wird.
Die Entwicklung der Ausbildung in Schweden
In Schweden wurde Psychodrama in den siebziger Jahren im St. Lars Krankenhaus in Lund eingeführt. Psychodrama wurde eine der vornehmlichen Methoden bei der Behandlung von Patienten in der Klinik C. Die Ergebnisse waren sehr gut. Diese Tätigkeit hätte nicht betrieben werden können, wenn sie nicht von den Oberärztinnen Ingrid Gottfries und Karin Rudeberg so stark unterstützt worden wäre. Trotz aller Unterstützung, die Psychodrama erhielt, wurde Psychodrama, ähnlich wie die Psychoanalyse in ihrer Entwicklung, zunehmend verwässert. Verschiedene Gründe sind hier zu nennen: Bürokratie, Haushaltsmittel, Politik, Zuständigkeitsfragen, etc. Als in den achtziger Jahren Psychodrama immer mehr aus der Psychiatrie verdrängt wurde, weitete sich gleichzeitig der Kreis der Interessierten über den Kreis der ÄrztInnen und PsychologInnen auf immer mehr Berufsgruppen aus. Das Schwedische Morenoinstitut, das 1987 gegründet wurde, machte in Einklang mit Morenos Ursprungsidee, keinen Unterschied zwischen verschiedenen Berufsgruppen.
Nach Moreno sind Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie theoretisch und praktisch so eng verknüpft, wie die Streben eines Schirms oder die einzelnen Finger der Hand, die beim Greifen zusammen wirken müssen. Rund um die psychodramatische Bühne treffen sich Menschen aus den verschiedensten Berufsgruppen, um Selbsterkenntnis zu erhalten, und um später die Ausbildung abzuschließen.
Die Ausbildung am Schwedischen Morenoinstitut ist in drei Stufen eingeteilt, die AssistentInnenausbildung, die in erster Linie der Eigentherapie und Gruppenpsychotherapie dient, die Weiterbildung, die als theoretische, methodische und philosophische Vertiefung in Psychodrama gedacht ist, sowie eine Supervision, die die StudentInnen dazu anleiten will, zu einer adäquaten Haltung als GruppenpsychotherapeutInnen und PsychodramatikerInnen zu gelangen. Da wir nicht nur für die Behandlung psychisch kranker Personen ausbilden wollen, müssen wir kulturelle und zeitgeschichtliche Themen aufgreifen. Die Lehrergruppe des Institutes hat sich im Laufe der Jahre mit verschiedenen Themen beschäftigt. Diese Themen sind sowohl aus der klinischen Praxis, als auch infolge der praktischen Anwendung von Psychodrama in anderen Feldern entstanden.
Der Surrealismus ist eine der kulturellen Strömungen, die die Lehrergruppe des Instituts inspirierten. Die Maltechniken der Surrealisten, z.B. von Joan Miro, Renee Margritte, Max Ernst u.a., die entwickelt wurden, um das Unbekannte zu erforschen, wurden Wegbereiter für uns. Bei der Beschäftigung mit dem Surrealismus entdeckten wir, daß wir uns genauere Kenntnisse in Mythologie, Geschichte, Kunstgeschichte und Religion aneignen mußten. In den Achtzigern arrangierte das Institut in Barcelona, Lissabon, Budapest und Amsterdam Konferenzen, um sich mit der philosophischen Dimension des Surrealismus und seiner psychodramatischen Darstellung auf der Bühne zu beschäftigen. Daraus, sowie aus der Beschäftigung mit der Psychologie C.G. Jungs entwickelte sich ein Interesse an der Alchimie. Nach Marie Luise von Franz, einer Schülerin C.G. Jungs, ging es in der Alchimie vor allem um die Suche nach emotionalem Gleichgewicht und Ganzheit. Es ergab sich, daß wir, ausgehend von diesem thematischen Schwerpunkt, Interesse an dessen Ursprung entwickelten. Auf diese Weise gingen wir in unseren Forschungen bis in die Antike zurück und beschäftigten uns mit dem Denken und der Mythologie des alten Griechenlands. Um in dieses Wissensgebiet tiefer einzudringen, waren die Lehrer des Instituts gezwungen, größere Kenntnisse über den Mystizismus, die Mythologie und den sogenannten Polytheismus (Vielgötterei) zu gewinnen. Besonders die Beschäftigung mit dem griechischen Gott Dionysos spielte für uns eine zentrale Rolle. Der griechische Gott Dionysos ist symbolisiert im Bild des Kreises, der weder Anfang noch Ende hat, wo keine Trennung zwischen objektiver und psychischer Realität vorgenommen wird. Die Verwandlungskraft des Gottes auf dem Weg über Tod und Wiedergeburt sowie die Rituale des Dionysos-Kultes erlangten große Bedeutung für unser erweitertes Verständnis von Psychologie und der Heilung durch Psychotherapie.
Seit 1985 trifft sich eine Gruppe von PsychodramatikerInnenlnnen aus aller Welt einmal im Jahr für eine Woche in Karlsbad, Tschechien, um mit diesem Themenkreis und dessen Anwendung im Psychodrama zu arbeiten. Darüber hinaus hat das Institut über die Jahre eine eigene Arbeitsweise entwickelt, Träume auf der Bühne darzustellen. Es werden dazu jedoch verschieden Ansichten vertreten, von einer mehr traditionellen psychoanalytischen Deutungsweise, bis hin zu der dramatischen Anschauung, in da der Traum keinen latenten Halt haben soll. Im Psychodrama wird eine Traumerinnerung aufgebaut als eine neue Traumhandlung. Die Beziehungen zwischen den Traumfiguren kommen auf die Bühne und die dramatische Struktur des Traumes wird heraus gearbeitet.
Die Gruppe, die am Institut in Norrköping arbeitet, setzt sich aus PsychodramatikerInnen zusammen, die in der Psychiatrie und der Sozialarbeit tätig sind. Sie arbeitet experimentell mit Psychodrama und Soziodrama. Es wurden verschiedene soziometrische Methoden entwickelt, um Soziodrama, Gruppenkonflikte und DoppelprotagonistInnenpsychodrama auf die Bühne zu bringen. In den sogenannten soziometrischen Familienwochen, fahren 3040 Personen an einen Ort außerhalb ihres Wohnortes fahren, leben dort gemeinsam und arbeiten mit Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie. Dies war ein revolutionierendes und sowohl von PatientInnen als auch vom Personal geschätztes Projekt . In den letzten Jahren hat sich das Institut in immer höheren Ausmaß in Fragen zur imaginalen Wirklichkeit vertieft. Unter imaginalen Figuren verstehen wir Bilder oder Figuren, mit denen wir in einem täglichen Dialog stehen, die sich in unseren Träumen offenbaren etc. Die tieferen Schichten unserer Psyche respektieren die alltägliche Aufteilung zwischen Psyche und Materie, Objektivität nicht. D.h. die imaginale Realität, Bilder und Figuren, die z.B. in unseren Träumen erscheinen, formt unser Realitätswahmehmung und schafft somit auch Wirklichkeit. Diese Gedankengänge stehen im direkten Gegensatz zu den traditionell analytischen Vorstellungen, welche die imaginale Wirklichkeit und ebenso Träume mehr als ein Projektionsphänomen verstehen.
Das Schwedische Morenoinstitut ist Mitglied des Nordic Board of Examiners (NBE), einer Kooperation zwischen dem Norwegischen Psychodramainstitut, dem Finnischen Psychodramaverein und dem Finnischen Morenoinstitut. Der Nordic Board of Examiners arbeitet mit The American Board of Examiners in Psychodrama, Sociometry and Grouppsychotherapy zusammen. Diese Boards sowie die Australian and New Zeeland Psychodrama Assoziation erkennen gegenseitig ihre Ausbildungen an. Sie haben ungefähr die gleichen quantitativen und qualitativen Standards. Durch diese Zusammenschlüsse hat Psychodrama auch politische Stärke gewonnen.
Am Schwedischen Morenoinstitut werden die StudentInnen in den drei Bereichen: Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie ausge-bildet. Diese Ausbildung als eine Berufsausbildung zu verstehen,wäre falsch. Die Psychodramaausbildung ist eher einer Reise gleichzusetzen mit vielen Gefahren, Glücksmomenten, Zusammenbrüchen, mit Umdenken, philo-sophischer Vertiefung und spannenden Erkenntnissen. Die Ausbildung ist, um es milde auszudrücken, turbulent und wird ganz sicher das Familienleben, das Privatleben und das Berufsleben der Teilnehmerlnnen beeinflussen. Diese Reise wird am Besten in dem Buch "Kristian Rosenkors alchemische Hochzeit 1439" von Johann Valentin Andreae beschrieben. Unter einer alchimischen Hochzeit versteht man die mystische Vereinigung der Seele mit dem Geist, das ewige Suchen nach dem Stein der Weisen. So steht Kristian Rosenkors vor der Wahl, vier Wege zu beschreiten, um das Glück zu finden. Alle diese vier Wege sind in ihrer Art gefährlich. Der leichte Weg, der schwere Weg, der gefährliche und kurze Weg.
Menschen, die sich dazu entschließen, eine Psychotherapie und eine Psychodramaausbildung zu beginnen, stehen vor einer ähnlichen Wahl wie Kristian Rosenkors. "Gott behüte Dich, Wanderer. Wenn Du zufällig etwas über die Königliche Hochzeit gehört hast, bedenke diese Worte. Der Bräutigam bietet Dir durch uns die Wahl zwischen vier Wegen an, die alle, wenn Du Dich nicht auf Abwege verirrst, zu seinem königlichen Schloß fuhren. Der erste ist kurz, aber gefährlich, und er führt Dich zwischen verschiedenen Klippen hindurch, aus welchen heraus es kaum möglich ist, sich zu retten. Der zweite ist länger und soll Dich weit herumführen, er ist eben und leicht zu finden,wenn Du Deinem Kompaß folgst und Dich nicht vom Weg abbringen läßt, weder nach rechts noch nach links. Der dritte ist wahrhaftig der Königliche, er führt Dich durch viele Herrlichkeiten unseres Königs und schöne Gegenden und macht Deine Wanderung zur Freude. Aber bis jetzt hat nicht einer von Tausenden ihn gefunden. Auf dem vierten ist es für einen Menschen nicht möglich vorwärts zu kommen, da er wie Feuer brennt und nur für unvergängliche Körper möglich ist.
Wähle nun einen der drei, welchen Du willst und halte Dich standhaft daran. Du sollst nämlich wissen, wenn Du erst einen der Wege eingeschlagen hast, dann ist es von dem unveränderlichen Schicksal so bestimmt, daß es nicht erlaubt ist, umzukehren, ohne mit äußerster Gefahr für Dein Leben.
Das ist es, was wir wünschen, daß Du wissen sollst. Aber gib gut acht, noch unwissend, welch großer Gefahr Du Dich aussetzt, wenn Du Dich auf diese Reise begibst. Denn, wenn Du Dich der kleinsten Übertretung der Gesetze unseres Königs schuldig weißt, rate ich Dir, Dich auf dem selben Weg, auf dem Du gekommen bist, heimzukehren, so schnell es Dir möglich ist".
Weder eine Psychotherapie noch eine Ausbildung in Psychotherapie ist ein Sonntagsausflug ins Unbekannte und das Unterbewußtsein. Die Reise kann weit von dem enden, was man sich erhofft hat. Nichts sagt, daß diejenigen, die eine Psychotherapie machen, sich im Sinne von Wohlbefinden besser fühlen werden. Meistens macht man eine umgekehrte Erfahrung: die Psychotherapie bringt mehr Zweifel mit sich, mehr Infragestellen. Gleichzeitig aber auch
entwickelt sich die Fähigkeit, seiner eigenen Stimme und anderen Stimmen zuzuhören, und es erschließt sich ein größeres Handlungsspektrum, so daß man, trotz aller Stürme, die das Leben bietet, auf der Erde stehen kann und nicht umhergeworfen wird. Das Wohlbefinden ist aber immer nur momentan, danach fängt der Kampf wieder an.
Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie sind eine Weltanschauung. Deren Gründer J.L. Moreno, 1886-1974, kämpfte sein ganzes Leben darum, Psychodrama als eine Kunst in sich zu bewahren. Seine Ehefrau, Zerka Moreno, ist diejenige, die im großen Umfang die pädagogischen Aspekte, die sogenannte "Prozeßanalyse" in die Psychodrama-ausbildung miteinbrachte. Psychodrama hat inzwischen eine weite Verbreitung erreicht. Die Aktionsmethode wird in vielen Gebieten genutzt, z.B. Rollenspiel, Spontaneitätstest, im Sprachunterricht, der Schule, im Management, der Polizei. Auch viele neue Trends in der Psychotherapie wurden von J.L. Moreno inspiriert wie z.B. lndividualtherapie, Gruppen-analyse und verschiedene Darstellungsmethoden. Beim Schwedischen Morenoinstitut gibt es einen Kern von Ausbildnerlnnen, die von J.L. Moreno und Zerka Moreno ausgebildet wurden, was dem Institut eine Rückbindung an die Absichten Morenos, trotz der verschiedenen Sichtweisen bezüglich der Ausübung von Psychodrama ermöglicht.
Das Schwedische Morenoinstitut hat viele internationale Partner, die mit ihm zusammenarbeiten, so daß die Ausbildungsjahre zu einer Inspiration und zu einer Herausforderung werden. Für unsere StudentInnen wird das zu vielen neuen "encounters" oder Treffen auf verschiedenen Ebenen führen. International steht das Schwedische Morenoinstitut in dem Ruf, sowohl bezüglich seiner Politik, als auch seiner philosophischen Auffassung zu Psychodrama und Ausbildung kontrovers zu sein. Das Institut hat über die Jahre hinweg seine Freiheit bewahrt, und seine Selbständigkeit, die zu seiner besonderen Prägung geführt hat.
Leif Dag Blomkvist
© Leif Dag Blomkvist
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