Transferenz
Die Übertragung ist ein Teil des Projektionsphänomens, nämlich, daß ein subjektiver Inhalt auf ein Objekt projiziert wird. Dieses Objekt wird Projektionshaken genannt, an welchem die Projektion aufgehängt wird. Das Wort Projektion kommt vom lateinischen projektum, was nach vorn werfen", schieben" bedeutet. Auf diesem Wort basiert das Wort Projektil. Damit meinen wir, daß eine Projektion diejenigen schädigen kann, die von der Projektion getroffen werden. Von einer Projektion getroffen zu werden, ist ein starkes und erschütterndes Erlebnis, und absolut nicht etwas leicht Hinzunehmendes". Die Kraft der Projektion kann dazu führen, daß der von dem Projektil Getroffene zu etwas verwandelt werden kann, was er nicht ist. Mit Projektionen fertig zu werden .
Obwohl Gruppenleiter, Psychodramaleiter von Projektionen auf der psychodramatischen Bühne getroffen werden, ist der Projektionsbegriff nicht so relevant, da das Psychodrama nicht das nicht Außen" unterscheidet, oder die Auffassung in bezug auf Zeit und Wirklichkeit des Ichs besitzt. Im Gruppenprozeß ist es jedoch von Bedeutung, daß der Leiter die Dynamik hinter der Übertragung und deren magische und verwandelnde Kraft kennt. Von der Transferenz getroffen zu werden, im allgemeinen eine positive Übertragung, ist oft ein das Ich auflösender Prozeß. Den Gruppenleitern wird damit eine Kraft zugewiesen, die fern von dessen menschlicher Kapazität ist. Aufgrund dessen, daß er sich in diesem Zustand befindet, wird er Situationen falsch beurteilen, sich selbst sowohl über- als auch unterschätzen und damit sehr viele negative Übertragungen hervorrufen, sich in einen Gruppenprozeß involvieren lassen, aus dem es immer schwerer sein kann, wieder herauszukommen.
Wie erhalten die GruppenleiterInnen ihre persönliche Integrität zurück, nachdem sie von Projektilen getroffen wurden ? Wie vermeiden wir, daß Gruppenleiter ihre Eleven entweder als ihre Kinder, Engel oder eine Ansammlung von Monstern betrachten? Die Transferenz ist kein bewußter Prozeß, sondern vollzieht sich im Unterbewußtsein.
Wir können die Gruppenmitglieder nicht darum bitten, aufzuhören zu projizieren. Viel mehr gilt es zu erkennen, daß Projektionen kein interpersoneller Prozeß sind, daß Projektionshaken oft nichts mit dem Objekt zu tun haben. Ebenso wenig, wie wir den Traum verstehen, wie es geschehen kann, daß der Träumer gerade diesen Ort wählt und nicht einen anderen, können wir davon ausgehen, daß die Person, die von den Projektilen getroffen wird, die Eigenschaften tatsächlich besitzt, welche die Projektile beinhalten, d.h. daß Chefs und Autoritäten eher als Projektionshaken für einen Vaterkonflikt geeignet sind, als Angestellte. So denkt das Ich, aber so sieht nicht die Logik des Unterbewußten aus. Die Mystik der Transferenz kann nie gelöst werden, man kann jedoch über die Effekte sprechen, die diese auf die GruppenleiterInnen haben, denn sie sind es, die diesem Effekt ausgesetzt ist.
© Leif Dag Blomkvist
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